Von dieser einst so zahlreichen Familie, die fast das ganze Gebiet von Isle-de-France und Brie bewohnte, lebte nur noch ein einziger Nachkomme, der Herzog Jean, ein schmächtiger junger Mann von dreißig Jahren, blutarm und nervös, mit eingefallenen Backen, kalten stahlblauen Augen, gerader feiner Nase und dürren schmalen Händen. [...]. Seine größte Freude war, in das kleine Tal hinunterzugehn bis nach Jutigny, einem kleinen Dörfchen, das sich am Fuße der Hügel ausdehnte [...]. Er warf sich dann wohl auf die Wiese im Schatten eines hohen Heuschobers nieder und lauschte dem dumpfen Geplätscher der Wassermühle und sog die frische Luft der Voulzie in die Lungen. Manchmal dehnte er seinen Spaziergang bis zum Torfmoor oder bis zu dem grünen und schwarzen Weiler von Longueville aus, oder er kletterte gar die Anhöhen hinauf, wo der Wind schärfer wehte und von wo er eine schönere Aussicht genoss. An der einen Seite hatte er das Seine-Tal unter sich, das sich in weiter Ferne mit dem Blau des Himmels mischte; an der anderen Seite hatte er den Blick hoch oben gen Westen auf die Kirchen und den Turm von Provins, die in der Sonne und dem goldigen Luftstaub zu zittern schienen. Er las oder träumte, in vollem Genuss der Abgeschlossenheit, wohl bis zur Dunkelheit; und da er sich immer grübelnd denselben Gedanken hingab, konzentrierte sich sein Geist, und seine bis dahin noch unbestimmten Ideen begannen vorzeitig zu reifen.

Gegen den Strich (Joris-Karl Huysmans)