Der Wellness-Bereich, dieser in die Seite des historistischen Monstrums getriebene Keil aus Glas, Granit, Stahl und Wasser, verzichtete auf das übliche Wohlfühl-Design und vermittelte mit minimalistischer Strenge meditative Ruhe. Er besaß zwei Pools, einen zum Schwimmen und ein siebenundreißig Grad warmes mit Natursole angereichertes Thermalbad. Es ragte um ein Drittel ins Freie hinaus und ließ von Spots angestrahlte Dampfschwaden in die kühle Regennacht steigen. Vier geometrische Wasserfälle sorgten für den suggestiven Geräuschpegel. 
Eine Treppe neben dem Thermalbad führte in ein Untergeschoß. Dort befanden sich die Räume für den römisch-irischen Zyklus. [...]. Alle Räumen waren aus exakt gefügten Quadern aus poliertem Granit gebaut, still und ernst wie Grabkammern.

Der Teufel von Mailand (Martin Suter)

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Ein älterer, weißhaariger, ziemlich klappriger Mann mit einer großen Nase überquerte vor uns den Fußgängerüberweg. Seine Mundwinkel hingen herab. Seine Lippen waren dunkelrot. [...]. Er tat das alles, als wäre er vollkommen allein. Als schenkte er dem Blick anderer niemals Beachtung. So hatte Giotto die Menschen gemalt. Auch sie schienen sich nie bewusst zu sein, dass sie gesehen wurden. Kein anderer hatte die Aura des Schutzlosen so abgebildet wie er. 

Sterben (Karl Ove Knausgard)