"Tu es nicht", wollte er sagen, aber es ging nicht.
Adrian Weynfeldt hielt den Blick auf die weißen, sommmersprossigen Fäuste der Frau gerichtet. Sie hatten das schmiedeeiserne Geländer so fest umklammert, dass die Knöchel noch weißer hervortraten. Er wagte nicht, ihr in die Augen zu schauen. Sie hatte ihn als Zeugen ausgesucht. Er hoffte, ein Sprung ohne Blickkontakt wäre ihr zu unpersönlich.

Der letzte Weynfeldt (Martin Suter)

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Ein älterer, weißhaariger, ziemlich klappriger Mann mit einer großen Nase überquerte vor uns den Fußgängerüberweg. Seine Mundwinkel hingen herab. Seine Lippen waren dunkelrot. [...]. Er tat das alles, als wäre er vollkommen allein. Als schenkte er dem Blick anderer niemals Beachtung. So hatte Giotto die Menschen gemalt. Auch sie schienen sich nie bewusst zu sein, dass sie gesehen wurden. Kein anderer hatte die Aura des Schutzlosen so abgebildet wie er. 

Sterben (Karl Ove Knausgard)