Plötzlich kommen Vincent die Tränen. Er gibt jedoch keinen Laut von sich und starrt weiter auf den Fernseher, als ob er es vor mir verheimlichen will. Ich umarme ihn, und erst da fängt er richtig an zu weinen. Nach einer Weile hat er sich wieder beruhigt und ist eingeschlafen. Ich schaue längst nicht mehr fern, sondern nur auf ihn. Habe wieder die alten Bilder vor mir: Wie ich nach dem Tod meiner Eltern allein in meinem Internatszimmer sitze, noch mit Schnee in den Haaren. Wie ich unsicher auf dem Pausenhof stehe und die anderen Kinder beim Spielen beobachte. Wie es mich davontreibt, fort, fort, fort. Ich sehe mich selbst so sehr in diesem Jungen, dass es mich schmerzt.

Vom Ende der Einsamkeit (Benedict Wells)

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Sein Vater würde nicht nur in einem Sarg liegen, sondern auch unter der Last der Erde, und plötzlich sah er den Mund seines Vaters, als sei da gar kein Sarg, als Falle die Erde, die sie in das Grab warfen, direkt auf ihn und verstopfe ihm Mund, Augen, Nase und Ohren.

Jedermann (Philipp Roth)