Bevor er schlafen ging, schrieb er - jeden Abend, auch auf einer Reise oder nach einem Fest, das bis zum frühen Morgen gedauert hatte - mit einem Federkiel und Tusche in einem Buch, das in schwarzes Leder gebunden war, einem Folianten voller einst leerer Seiten, die er inzwischen fast alle beschrieben hatte. Er tat dies seit einem halben Jahrhundert. Es war ein Auftrag, jedenfalls konnte er nicht anders. Ich hatte ihn einmal gefragt, ein einziges Mal, was er da schreibe. "Mein Lebensbuch", hatte er geantwortet.

Urs Widmer (Das Buch des Vaters)