Man kann es riechen. Im allgemeinen gilt Wasser als geruchlos. Aber man kann es riechen. Ich kann mich an den Geruch verschiedener Flüsse und Meere erinnern. Und auch wenn es nicht das Wasser selbst ist, das so riecht, sondern nur die Verbindung von Wasser mit etwas anderem, so ist doch das Schöne an diesen Gerüchen, an die ich mich erinnere, dass es Gerüche des Wassers sind. Ich erinnere mich, wie es nach fließendem, strömendem, lebendigem Wasser riecht. Genauso wie es umgekehrt totes Wasser ist, das stinkt. Wenn nach einer langen Zeit der Trockenheit zum ersten Mal wieder Regen fällt und wir hinaus auf die Straße treten, dann wirkt die Luft nicht nur frischer und wie gereinigt. Sie ist voll von Gerüchen. Der auf dem Asphalt verdampfte Regen, die getränkte Erde, das Gras, das Laub, alles fängt nach diesem Wasserguss wieder an zu riechen. 

Vom Wasser (John von Düffel)

bodo-kirchhoff-08

Damit kein Missverständnis aufkommt: ich lehne mich ab. Lange Zeit wusste ich nichts von diesem Uneinssein mit mir selbst. Ich genoss es, die eigene Stimme zu hören, und rechnete noch mit den besten Jahren. In jeder Hinsicht bereitete ich mich darauf vor, um dann, wenn sie kämen, nicht nur das Beste vom Leben entgegenzunehmen, sondern auch mein Bestes zu geben, aber sie kamen nicht, die besten Jahre; und an diesem Oktobertag, als ich Christine, meine Frau, im staubigen Souk der Buchhändler suchte, Julian, unseren Sohn, fest an der Hand, da schien es mir zum ersten Mal wahrscheinlich, dass sie auch nicht mehr kommen würden.

Der Sandmann (Bodo Kirchhoff)